Samuel Heinrich Sommerfeld Pastor zu Gustow.
Samuel Heinrich Sommerfeld, Mecklenburger Pastor zu Gustow auf Rügen wurde unter der Bedingung gewählt, daß er entweder die Wittwe des verstorbenen Predigers oder dessen Tochter, die auch schon erwachsen war, heirathe, und er hatte solches zugesagt. Die Wittwe selbst erklärte nun anfangs, daß sie, weil sie schon sehr bei Jahren war nicht mehr heirathen wolle und bestimmte ihre Tochter Margaretha zur Frau des künftigen Predigers. Nachdem sie aber den jungen Candidaten gesehen hatte verspürte sie plötzlich in ihrem Herzen eine starke Liebesregung zu demselben, sie änderte ihren Sinn, und als der Candidat zu ihr kam, um die Hand ihrer Tochter anzuhalten erwiederte sie ihm Ich will den Herrn selbst! Der arme Candidat wollte die Pfarre nicht verlieren und mußte die alte Quarre mitnehmen. Er ließ sich, anstatt mit der Tochter, mit der Mutter trauen. Als nun fünf und zwanzig Jahre verflossen waren geschah es daß dieses Mütterchen unvorsichtig mit dem Brauwerk umging, und dem kochenden Kessel mit dem Arm zu nahe kam. Hieraus entstand bei der alten Frau eine Entzündung, und erfolgte bald darauf ihr Lebensende im vier und siebenzigsten Jahre ihres Alters. Der Pastor, ihr Mann, war darüber wohlgemuth, und heirathete bald nach ihrem Tode eine artige und wohlgestaltete Jungfer, Catharina Vetters, des Diaconi zu Bergen hinterlassene Tochter. Mit der lebte er sehr freudig und vergnüglich. Aber es dauerte nicht lange, da ging in Erfüllung, was die alte Frau ihm angedrohet hatte, und der Pastor starb nach Verlauf eines Jahrs eines plötzlichen, unverhofften Todes. Dieß geschah Anno 1670, wie der Herr Pastor 26 Jahre lang die Heerde Christi geweidet, und ein Alter von 54 Jahren erreicht hatte. Seine junge Frau folgte ihm kurze Zeit nachher. […]